KI im Gesundheitswesen: Der Fall einer Fehlentscheidung und die Herausforderungen beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz

Künstliche Intelligenz wird im Gesundheitswesen zunehmend eingesetzt. Das Potenzial ist gross: schnellere Einschätzungen, skalierbare Analysen, bessere Entscheidungsunterstützung.

Der Fall rund um das System „NH Predict“ zeigt aber auch die Grenze: Eine 85-jährige Patientin wurde mit einer Prognose von 16,6 Tagen als bald wieder selbstständig eingestuft. Die Realität war eine andere. Sie konnte zentrale Alltagsfunktionen nicht ohne Hilfe bewältigen.

Als nach 17 Tagen auf Basis dieser Prognose Zahlungen gestoppt wurden, folgte die gerichtliche Prüfung. Das Urteil war deutlich: Die KI-basierte Entscheidung war bestenfalls spekulativ.

Für mich ist die Lehre klar: KI darf klinische Verantwortung nicht simulieren, sondern muss sie unterstützen. Modelle brauchen valide Daten, laufendes Monitoring, transparente Kommunikation und fachliche Einordnung durch Menschen.

KI kann sehr wertvoll sein. Aber nur dann, wenn Methodik, Ethik und Praxis gemeinsam geführt werden.

Gesundheitliche Bildung sollte von Anfang an einen festen Platz im Lehrplan haben

Lebensstilbedingte Erkrankungen sind längst ein gesellschaftliches Kernproblem. Ein grosser Teil der Krankheitslast wäre vermeidbar, wenn Bewegung, Ernährung und Gesundheitskompetenz früher und konsequenter vermittelt würden.

Genau deshalb überzeugt mich die Forderung von Gesundheitsökonom Jörg Loth: Gesundheit gehört als eigenständiges Thema in die Schule. Nicht nur Biologie und Sport, sondern alltagsnahe Gesundheitsbildung. Also: Ernährung, Bewegung, mentale Gesundheit und ein reflektierter Umgang mit dem Versorgungssystem.

Besonders wichtig ist der Blick auf die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Prävention in jungen Jahren wirkt doppelt: individuell für die Lebensqualität und systemisch für die langfristige Entlastung von Gesundheitswesen und Prämienzahlern.

Ich unterstütze diesen Ansatz klar. Eine gesunde Kindheit ist kein „nice to have“, sondern die beste langfristige Investition in Gesellschaft und Volkswirtschaft.

Drohnen-Transport: Neues Projekt der Risch-Gruppe in der Schweiz zeigt Potential für Effizienzsteigerung im Gesundheitssektor

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Ich finde es stark, dass ein Schweizer Laborunternehmen den Drohnentransport erneut ernsthaft testet. Die Risch-Gruppe setzt auf eine Lösung, die direkt am Fenster andocken kann und Proben zwischen Vaduz und Buchs SG transportiert. Das BAZL hat die erste Route bereits freigegeben.

Operativ klingt das sehr überzeugend: Be- und Entladen in Sekunden, wetterunabhängiger Zugriff vom Fenster aus, automatische Ladung über die Dockingstation. Kurz: wenig Leerlauf, hohe Einsatzbereitschaft.

Wenn der Regelbetrieb stabil läuft, entsteht ein realer Mehrwert. Schnellere Wege, tiefere Logistikkosten, bessere Versorgung. Genau solche pragmatischen Innovationen braucht das Gesundheitssystem.

Die Rolle der IT im Gesundheitswesen: Wie sie die Effektivität und Qualität der Gesundheitsversorgung verbessern kann

Das Schweizer Gesundheitswesen steht unter Dauerdruck. Pandemie-Folgen, Fachkräftemangel, Kostenentwicklung, politische Spannungen. Die Liste ist lang. Leider.

In dieser Lage hat IT eine tragende Rolle gespielt. Telemedizin hat Zugänge gesichert. Digitale Plattformen haben Prozesse beschleunigt. Elektronische Dossiers haben Informationsflüsse verbessert. Nicht perfekt, aber deutlich besser als früher.

Gleichzeitig gilt: Gesundheitsversorgung ist kein reines Technologieprojekt. Es geht immer auch um Beziehung, Vertrauen und klinische Verantwortung. IT ist ein Enabler, kein Ersatz für menschliche Nähe.

Für die kommenden Jahre sehe ich einen klaren Auftrag: Digitalisierung im Gesundhetswesen weiterentwickeln, aber mit pragmatischer Governance. Also: saubere Prozesse, klare Zuständigkeiten, interprofessionelle Zusammenarbeit und echte Nutzbarkeit im Alltag.

IT löst nicht jedes Problem. Doch sie kann Effektivität, Qualität und Koordination substanziell verbessern, wenn sie fachlich gut eingebettet ist.

Meine Fragen an Sie:

  • Welche Rolle sollte IT im Gesundheitswesen künftig konkret übernehmen?
  • Wo sehen Sie den grössten Hebel für bessere Qualität und Effizienz?
  • Wie stärken wir die Zusammenarbeit zwischen Patientinnen, Patienten, Fachkräften und Institutionen digital sinnvoll?

Ich freue mich auf Ihre Einschätzung.